Geistliches Wort 10/2009 PDF Drucken E-Mail

Im letzten Gemeindebrief hatte ich hingewiesen auf Laienprediger in unseren Abendgottesdiensten. Im Rahmen unserer kleinen Reihe hat Herr Manfred Körfer am 28. Juni eine Predigt über Psalm 121 gehalten. Ich habe – mit seinem Einverständnis – diese Predigt gekürzt und möchte Sie Ihnen allen als Geistliches Wort weiter geben. Auch alle anderen Laienpredigten waren „geistliches Wort“ in gutem Sinne, aber gerade die Predigt von Herrn Körfer eignet sich meines Erachtens, um in doppelter Hinsicht zu ermutigen – zu Gottvertrauen und dazu, selbst einmal als Laienprediger oder Laienpredigerin aktiv zu werden:

Liebe Schwestern und Brüder, es gibt wohl für jeden Menschen Stellen in der Heiligen Schrift, die für ihn eine besondere Bedeutung haben, die ihm besonders am Herzen liegen und ihn besonders ansprechen.

So geht es mir mit Psalm 121, der mich seit meiner Jugend begleitet. Er ist mit nur 8 Versen einer der kürzesten Psalmen:
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen - woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel. Er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Dieser Psalm begleitet mich seit meiner Jugend. Ich nehme an, dass es die ersten Worte waren, die damals meine Aufmerksamkeit auf den Text lenkten. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Dazu müssen Sie wissen, dass ich die Berge seit je her liebe und seit 50 Jahren fast jeden Sommer eine Zeit in den Alpen verbringe.

Gleich nach diesen einprägsamen ersten Worten des Psalms wird die einfa-che, aber für mein Leben wichtige Frage gestellt: Woher kommt mir Hilfe?

Die Antwort ist klar und eindeutig: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn wir es genau nehmen, heißt das
doch: Nicht von Menschen, nicht von den Möglichkeiten der Technik oder der Wissenschaft, nicht aus eigener Kraft oder Erfahrung, sondern von Gott dem Herrn kommt mir Hilfe. Wie diese Hilfe sich dann konkret realisiert, das bleibt allerdings offen. Ich glaube fest daran, dass Gott uns Hilfe auf vielfältige Weise zukommen lässt, z. B. durch die Hand kompetenter Ärzte bei einer ernsten Erkrankung, wie ich es in den letzten Monaten selbst erlebt habe.

In Vers 4 heißt es: Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“ Dieser Satz greift eine Angst auf, die uns Menschen immer wieder bewegt: Ist Gott stumm und ungreifbar? Hält er sich heraus aus meinem Leben und lässt mich im Unglück, in der Gefahr, im Leid allein? Oder ist Gott lebendig, ist er aktiv und hilft mir mit seiner starken Hand? Immer wieder haben Menschen diese Spannung erfahren. Wo Arbeitslosigkeit, Einsamkeit oder Krankheit uns bedrohen oder quälen, brauchen wir Hilfe und Trost. Gerade dann stellt sich uns die Frage: Woher kommt mir Hilfe? Und als Christen geben wir die Antwort: Von Gott, unserem Helfer und Retter.

Der Psalm 121 macht uns weit reichende Hoffnungen. Die Zusage der Hilfe Gottes reicht hinein bis in unsere alltäglichen Schwierigkeiten. Da heißt es in Vers 5 und 6: Der Herr ist ein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.“
Wo die Sonne – wie im Orient – brutal auf den Wanderer niederbrennt, da will der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, nichts anderes sein als der Schatten, der den Menschen vor der brennenden Sonne beschützt.

… noch der Mond des Nachts“, heißt es am Ende des Verses. Dem Mond werden bis in unsere Zeit, unheimliche Kräfte zugetraut. Hier wird ausgesagt: Gott ist mit diesen bösen Kräften nicht im Bunde, er beschützt den Menschen vor ihnen. Wir können aber Sonne und Mond auch einfach als Repräsentanten von Tag und Nacht verstehen: Gott beschützt uns Tag und Nacht, bei unseren täglichen Pflichten und Sorgen wie in unserem Schlaf.

Mancher wird nicht glauben mögen, dass Gott so konkret, so unmittelbar, so mitten drin in unserer Welt ist. Aber der Psalm 121 möchte uns auf diesen Weg bringen, mitten im Alltag mit Gottes Gegenwart zu rechnen.

Am Schluss weitet der Psalm unseren Blick über das Alltägliche hinaus: Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Es geht nicht um kurzfristigen Profit, um Erfolg, um bloße Annehmlichkeiten des Lebens. Es geht um mehr, um den ganzen Menschen, um Leib und Seele. Es geht auch um die Ewigkeit, um ein Leben mit Gott, das kein Ende mehr hat, das nicht von Zerfall und Tod begrenzt ist.

Der letzte Vers könnte als Segenswunsch über unseren Haustüren geschrieben stehen: Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“

Ich habe darüber nachgedacht, wie ich den Inhalt und den Sinn dieses Psalms in einem Wort zusammenfassen könnte. Da blieb am Ende nur ein Wort übrig, das passte: Gottvertrauen. Ein altbackenes, vielleicht sogar ein wenig abgegriffenes Wort, das man schnell so dahin sagt. Wenn man es recht bedenkt, bedeutet es doch: Ich vertraue fest darauf, dass Gott mir helfen wird, wenn ich seine Hilfe brauche. Das ist mehr als eine optimisti-sche Lebenseinstellung, mehr als „Es wird schon alles gut gehen“.

Solch ein Vertrauen auf Gott kann uns Halt geben, uns stützen und tragen in den kleinen und großen Nöten unseres Lebens. Ich wünsche uns allen von Herzen mehr von diesem Gottvertrauen.

Manfred Körfer