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Christus spricht: Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan – und niemand kann sie zuschließen! (Offenbarung des Johannes 8,3)
Haben Sie schon einmal an Türen geschellt, um für einen guten Zweck Geldspenden zu sammeln oder Lose zu verkaufen? Für den Leprakreis in Aldekerk gibt’s das, für die Martinszüge in allen Dörfern, für Feuerwehr und Sportvereine, manchmal auch für die Kirchengemeinde und die Diakonie: Freiwillige ziehen von Haustür zu Haustür, klingeln und bitten um eine Spende. Leider viel zu oft bleiben da Türen zu oder werden einem buchstäblich vor der Nase zugeschlagen. Das ist sehr unangenehm und beschämt uns; offene Türen sind angenehmer!
Als wir 1999 ins Pfarrhaus einzogen, hatte das ganze Haus nur eine einzige Tür: die Eingangstür zur Straße; und die war voll verglast und also durchsichtig! Alle übrigen Türen waren noch beim Maler. Die Möbelpacker fanden das toll; meine Familie und ich weniger. Wir haben es vorgezogen, ein paar Tage bei den Eltern zu bleiben: wirklich nirgendwo und zu keiner Tag- und Nachtzeit eine Tür hinter sich schließen zu können – in so ein Haus mochten wir nicht einziehen! Manchmal ist eine Tür zum Schließen nämlich sehr willkommen.
Im Monatsspruch für Oktober – er ist dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes entnommen – hören wir, dass Christus eine Tür auftut, weit öffnet. Und wenn er sie geöffnet hat, kann niemand die Türe zuschließen. Konkret öffnet Christus so Raum für die christliche Gemeinde in Philadelphia. Wie alle christlichen Gemeinden dieser Zeit steht sie mit dem Rücken zur Wand: das römische Imperium verfolgt die Christen und stellt sie vor die Wahl, Christus abzuschwören und ohne Verfolgung zu leben oder sich zu Christus zu bekennen und dafür hingerichtet zu werden. Weil die Gemeinde diesem Druck vorbildlich standhält, weil in Philadelphia so viele Christus die Treue halten, darum öffnet ihnen Christus die Tür.
Wohin die Tür führt, wird im unmittelbaren Zusammenhang gar nicht ausgesprochen. Aber es ist klar: es geht um die Tür zu Christus selbst, zu Gott. In einen Lebens-Raum hinein, der nicht einmal vom Tod bedroht ist.
Keine Frage: Wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe und dann wird mir eine Tür, die ich gar nicht sehen konnte, so weit geöffnet, dass ich neuen Raum finde – welches Glück, welch ein Segen!
Um diesen Segen, diese Zusage von Raum zum Leben geht es im Monatsspruch für Oktober: Die Tür, die Christus so weit auftut, dass sie niemand verschließen kann, die eröffnet Lebens-Raum. Gerade für Menschen, die gefühlt mit dem Rücken zur Wand stehen, denen andere „im Nacken sitzen“ und die in – scheinbar – ausweglosen Situationen gefangen sind. Gerade solchen Menschen, aber auch allen anderen tut Jesus die Tür auf zum Leben, nämlich zu dem Leben, das er selbst in der Bindung an Gott, den Vater, gelebt hat. Dies Leben ist geprägt, ist durchdrungen von Liebe. Nämlich von der Liebe, die Gott verschenkt und die ich empfangen kann. Es ist dieselbe Liebe, in der ich meine Mitmenschen und auch mich selbst annehmen, gelten lassen kann.
Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan – und niemand kann sie zuschließen! Wie gut, dass Christus uns solchen von Liebe durchdrungenen Lebensraum auftut. Passen wir auf, dass wir diese Weite nicht verengen, dass wir diesen geschenkten Lebens- und Liebesraum offen halten! Bestimmt gibt es Türen und Tore, bei denen es gut und wichtig ist, dass ich sie schließen, ja, verschließen kann. Aber als Grundhaltung meines eigenen Lebens taugt solches „Verschließen“ nicht. Nein, Christus hat uns die Tür aufgetan und wir können den ganzen großen Raum zum Leben aus Gottes Liebe nutzen.
Hartmut Pleines
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