· 

Osterbotschaft vom Präses unserer Landeskirche Dr. Thorsten Latzel


Unsere Pfarrerin, Karin Stroband-Latour, verlas im Gottesdienst am Gründonnerstag die Osterbotschaft vom Präses unserer Evangelischen Kirche im Rheinland. Diese unten nach den einleitenden Worten von der Seite der EKiR für Sie zum Nachlesen.


Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, veröffentlicht eine ebenso geistlich wie politisch profilierte Osterbotschaft. Die Menschheit sei oster-reif, weil „wir es als Menschen gerade richtig vermasseln. Wir steuern an vielen Stellen komplett in die falsche Richtung.“ In der Karwoche wähle Gott letztgültig die Seite der Opfer, widerspreche allen Gewaltherrschern und öffne an Ostern zugleich Horizonte jenseits dessen, was wir zu hoffen wagten.

Qelle: Pressemeldung der EKiR vom 31.03.2026


Präses Dr. Thorsten Latzel | © Dominik Asbach
Präses Dr. Thorsten Latzel | © Dominik Asbach

Unsere Welt ist oster-reif, dringend oster-reif, so wie schon lange nicht mehr. In der Kar- und Osterwoche geht es genau darum. Es geht um politische Gewaltherrscher, eine Gemeinschaft, die droht auseinander zu fliehen, Versöhnung, Verleugnung, Verrat – und um Hoffnung, jenseits aller Horizonte.

Es beginnt mit Palmsonntag – und mit den vielen, die sich nach einem starken Mann sehnen. Nach einem, der endlich mit den Römern aufräumt. Einem neuen König David. Doch so ist die Welt nicht zu retten. Jesus Christus widerspricht diesen Phantasien. Er unterläuft oder genauer: unter-reitet sie. Auf einem einfachen Esel kommt er daher. Jesus Christus – das krasse Gegenbild zu den Autokraten aller Zeiten und Weltgegenden, die sich selbst gern als Friedensbringer bezeichnen, das oft sogar selbst glauben und für „ihren“ Frieden über Leichen gehen. Nein, so ist die Welt nicht zu retten, damals so wenig wie heute.

An Gründonnerstag lebt Jesus Christus vor, wie es anders geht. Die Gemeinschaft der Jünger/innen droht zu zerreißen. Die einen wollen gerne selber groß sein, die anderen wollen ihn endlich handeln sehen. Sie alle schwören ewige Treue – und sind kurz davor, ihn zu verraten, zu verleugnen, zu verlassen. Doch Christus lädt sie, die kaum noch miteinander reden können, ein letztes Mal ein, miteinander zu essen. Das hat seinen Preis. Es wird ihn sein Leben kosten. „Mein Leib für euch gegeben.“ „Mein Blut für euch vergossen.“ Ohne diese Selbsthingabe aus Liebe ist uns, unserer Welt nicht zu helfen.

An Karfreitag wählt Gott letztgültig die Seite. Der Herrscher der Welt – gegenwärtig in dem ohnmächtig Gekreuzigten. In Christus tritt Gott nicht nur an die Seite der Opfer. Er wird selbst zum Opfer – und durchbricht so die Logik der Gewalt mit ihrem: „Immer Hammer sein, nie Amboss.“ Der Vorhang zum Allerheiligsten zerreißt. Mit Karfreitag ist ein für allemal deutlich, wo Gott zu finden ist: bei den Verlieren, Verletzten und Verfolgten. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Frage der Gerechtigkeit wird am Ende nicht mit Gewalt entschieden. Da ist Christus vor.

Am Ostermorgen öffnet Gott dann einen neuen Horizont – jenseits von allem, was wir zu träumen oder hoffen wagen: Leben über den Tod hinaus. Liebe, die stärker ist als Sünde, Unrecht und Gewalt. Und eine neue Gemeinschaft, die aus Versöhnung lebt und sie anderen zusagt. „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte oder Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,38f.)

Unsere Welt ist oster-reif, dringend oster-reif. Weil wir es als Menschen gerade richtig vermasseln. Wir steuern an vielen Stellen komplett in die falsche Richtung.

– Wir geben zig Milliarden weltweit für Rüstung aus, obwohl wir jeden Cent gegen den Hunger bräuchten – im Sudan, im Kongo, im Libanon, in Gaza, auf Haiti, an zahllosen anderen Orten.
– Wir fahren unsere Erde sehenden Auges ökologisch gegen die Wand, obwohl Klimaforscher/innen schon heiser werden vor lauter Warnungen und wir jedes Jahr neue Katastrophen erleben.
– Wir bekommen es immer weniger hin, mit denen zu reden, die anderer Meinung sind: zuzuhören, zu verstehen, geschweige denn, miteinander zu essen.
– Wir sind selbst allzu oft geblendet von Geld, Macht, Ansehen – und verlieren unsere Bestimmung und den Weg aus dem Blick, den Christus uns als Eselreiter gewiesen hat.

Gott, lass Ostern werden bei uns.

Danke, dass Du in Christus die Gewalt durchbrochen hast.
Danke, dass Du Hoffnung weckst, wo wir nur noch Nacht, Fels und Grab sehen.
Danke, dass Du Leben schaffst aus dem Tod.
Danke, dass Deine Liebe am Ende siegt.

Lass uns Christus nachfolgen.
Mach uns zu Bot/innen seiner Versöhnung.

Gott, lass Ostern werden in uns. Amen.

 

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Kar- und Osterzeit.